Essay: Titel Eins26

Zur Frage der Technik im Gebäude

Technik tritt heute selten leise auf.
Sie fordert Raum, Aufmerksamkeit und Kontrolle.
In vielen Gebäuden ist sie nicht mehr Hintergrund,
sondern Vordergrund geworden.

Dabei beginnt Technik nicht erst dort,
wo Leitungen verlegt oder Geräte installiert werden.
Sie beginnt früher –
in der Haltung, mit der ein Gebäude betrachtet wird.

Wird es als Lebensraum verstanden?
Oder als System, das optimiert, geregelt
und verwaltet werden muss?

Technik als Denkweise

Technik ist mehr als ein Werkzeug.
Sie ist eine Art des Zugriffs auf die Welt.
Eine Weise, Ordnung zu schaffen
und Abläufe verfügbar zu machen.

Diese Haltung ist nicht falsch.
Aber sie wird problematisch,
wenn sie alles bestimmt.

Wo Technik nur noch als Machbarkeit ist,
verändert sich der Raum.
Das Gebäude wird funktional zerlegt.

Der Philosoph Martin Heidegger beschrieb dies als Gestell:
eine Denkweise, in der Welt
vor allem als Bestand erscheint –
bereitgestellt, kontrolliert, nutzbar.

Heidegger richtete seine Kritik nicht gegen Technik selbst,
sondern gegen eine Haltung,
in der Technik vorgibt,
wie Welt erscheinen darf.

Übertragen auf das Gebäude bedeutet das:
Der Raum wird zur Plattform.
Der Mensch zum Nutzer.
Die Technik zum ordnenden Prinzip.

Maß statt Aufrüstung

Im Neubau lässt sich vieles technisch lösen.
Im Bestand zeigt sich jedoch schnell,
ob Technik dem Gebäude dient
oder umgekehrt.

Bestandsgebäude tragen Geschichte.
Sie haben Maßstäbe und Grenzen.
Nicht jede Regelung verbessert sie.
Nicht jede Automatisierung
macht sie verständlicher.

Oft entsteht Qualität nicht durch mehr Technik,
sondern durch das Weglassen.
Durch Klarheit.
Durch Ordnung.

Planung bedeutet für mich,
Entscheidungen zu treffen.
Nicht alles, was möglich ist,
sollte umgesetzt werden.

Gute Technik ordnet sich ein.
Sie bleibt verständlich, wartbar
und auch Jahre später nachvollziehbar.

Technik und Zeit

Gebäude stehen länger als Planungsphasen
und länger als technische Moden.

Technik muss diese Zeit mitdenken.
Nicht als Stillstand,
sondern als Dauer.

Vielleicht ist gute Technik jene,
die sich zurücknimmt.
Und vielleicht beginnt verantwortungsvolle Planung
dort, wo Technik wieder Mittel ist –
nicht Selbstzweck.

Dieser Text ist eine Einladung zum Nachdenken –
über Technik, Gebäude und Maß.

Die hier angedeuteten Gedanken werden in einer dreiteiligen Essay-Reihe zur Qualität und Dauer des Bauens vertieft.

Dieser Text ist kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Er ist eine Einladung zum Nachdenken – über Technik, Gebäude und Maß.

José Carlos Vicente Plaza
Cavicon GmbH

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Essay: Titel Zwei26 - Teil I