Andere sprechen über die KI. Ich spreche über die Zukunft.

Während heute nahezu jede Diskussion um künstliche Intelligenz kreist, beschäftigt mich eine andere Frage: Wie wollen wir in Zukunft eigentlich leben, arbeiten und gestalten?

Nebenbei gesagt: Der Begriff „künstliche Intelligenz“ erscheint mir unpräzise.

Für mich handelt es sich eher um eine unnatürliche Intelligenz, da sie nicht aus organischem Leben entsteht, sondern aus Daten und Algorithmen.

Mit dem Begriff „künstlich“ tue ich mich generell schwer. Im Wort Kunst steckt für mich etwas Lebendiges. Kunst entsteht aus Erfahrung, Wahrnehmung und Gestaltung. Kunst kommt von Können. Und im übertragenen Sinn ist das ein natürlicher Prozess.

Algorithmen entstehen aus Berechnung.

Die Diskussion beginnt bereits bei den verwendeten Terminologien. Technologie allein erschafft keine Zukunft. Sie ist ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger.

Wer einen Beweis hat, dass es anders ist, darf gerne einen Kommentar hinterlassen.

Die eigentliche Herausforderung liegt aus meiner Sicht nicht darin, immer mehr Technik zu entwickeln. Sie liegt vielmehr darin, die Freiheit zu bewahren, unterschiedliche Wege gehen zu dürfen und nicht jede Entwicklung automatisch als alternativlos zu betrachten.

Die heutige Zeit ist stark vom Begriff der Nachhaltigkeit geprägt. Doch je häufiger ich das Wort höre, desto häufiger stelle ich mir die Frage, was Nachhaltigkeit eigentlich bedeutet und wer darüber entscheidet. Mit diesem Thema beschäftige ich mich derzeit in einem eigenen Essay, der noch etwas Reifezeit benötigt und in den kommenden Wochen veröffentlicht wird.

Momentan entsteht jedoch zunehmend der Eindruck, dass es nur noch eine richtige Richtung geben darf. Eine richtige Technologie. Eine richtige Denkweise. Ein richtiges System.

Die Wirklichkeit unserer Zeit ist keine Aneinanderreihung von 0 und 1. Die digitale Welt basiert auf Nullen und Einsen. Aus ihnen lassen sich unendlich viele Zustände erzeugen. Die Wirklichkeit hingegen besteht nicht nur aus zwei Zuständen, sondern aus einer Vielfalt von Zahlen, Beziehungen und Möglichkeiten.

Mich fasziniert deshalb ein Fahrzeug wie die alte Piaggio APE 600 MPV mehr als viele sterile Zukunftsvisionen der Gegenwart. Der Name allein ist für mich schon ein kleines Gedicht. MPV steht für Motore Posteriore Volante, also sinngemäß für einen Heckmotor mit Lenkersteuerung. Bereits in dieser Bezeichnung spiegelt sich die Einfachheit und Eigenständigkeit dieses Fahrzeugs wider.

Dieses Fahrzeug stammt aus dem Jahr 1970. Die APE war damals nicht einfach nur ein kleines Nutzfahrzeug, sondern für viele Menschen eine echte Bereicherung und in ihrer Zeit teilweise sogar revolutionär. Sie war robust, günstig, vielseitig einsetzbar und ermöglichte unzähligen Handwerkern, Händlern und kleinen Unternehmern eine Form von Mobilität, die zuvor oft nicht erreichbar war.

Interessant ist dabei, dass die Produktion der klassischen APE 2024 eingestellt wurde. Über Jahrzehnte hinweg fanden nur moderate Verbesserungen statt. Die größte Veränderung war am Ende weniger die Technik selbst als vielmehr das Design, also der Wandel von der runden zur eckigen Formensprache.

Ausgerechnet ein Fahrzeug, das über Jahrzehnte bewiesen hat, wie langlebig, reparierbar und zweckmäßig Technik sein kann, verschwindet nun vom Markt. Die Einstellung der Produktion empfinde ich durchaus wie einen Wink mit dem Zaunpfahl.

Warum darf ein einfacher, reparierbarer und langlebiger Ansatz plötzlich nicht mehr modern sein oder wird gar eingestellt?

Keine Displays. Keine digitale Überforderung. Keine permanente Vernetzung. Dieses Fahrzeug besitzt etwas, das viele moderne Entwicklungen verloren haben.

Einfachheit. Direktheit. Überschaubarkeit und Charme.

Die APE funktioniert nicht deshalb, weil sie maximal komplex ist. Sie funktioniert, weil sie auf das Wesentliche reduziert wurde und genau das erfüllt, wofür sie ursprünglich entwickelt wurde.

Interessanterweise beschäftigt mich genau diese Frage auch im Bauwesen und in der technischen Planung.

Ich arbeite selbst mit digitalen Modellen, 3D Laserscanning, CAD Systemen und modernen Planungsmethoden. Ich lehne Technologie nicht ab. Viele digitale Werkzeuge sind sinnvoll, hilfreich und ermöglichen Dinge, die vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar waren. Aber auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass der Fortschritt mich vom wesentlichen Tun distanziert.

Die entscheidenden Fragen lauten für mich:

Warum tun wir heute oft so, als gäbe es nur noch eine erlaubte Form von Zukunft?

Warum entsteht zunehmend das Gefühl, dass Freiheit durch Regulierung ersetzt wird?

Wir benötigen wieder Toleranz, um die persönlichen Grenzen der Freiheit zu schützen.

Wir benötigen nicht immer mehr Technik.

Wir benötigen wieder Freiheit in der Wahl der Technik.

Freiheit in der Wahl der Technik bedeutet für mich nicht, auf Fortschritt zu verzichten. Sie bedeutet, unterschiedliche Lösungen miteinander vergleichen zu dürfen. Am Ende sollte nicht die Ideologie entscheiden, sondern die Praxis. Was sich bewährt, wird bleiben. Was sich nicht bewährt, verschwindet von selbst.

Zukunft entsteht nicht durch Gleichschaltung. Zukunft entsteht durch gelebte Vielfalt, Erfahrung, Pragmatismus und unterschiedliche Lösungen, die sich ganz und allein in der Praxis bewähren müssen.

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.

Die alte APE erinnert mich daran, dass Fortschritt nicht automatisch bedeutet, alles komplizierter zu machen. Fortschritt kann ebenso bedeuten, Dinge einfacher, verständlicher und langlebiger zu halten.

Aus diesem Grund wird die APE Artesana mein zukünftiges Einsatzfahrzeug.

Der Name Artesana ist bewusst gewählt. „Arte“ steht im Spanischen für Kunst. Sana wiederum steht für gesund. „Artesanía“ ist der spanische Begriff für Handwerk.

Für mich verbindet dieses Fahrzeug genau diese Gedanken: Kunst, Handwerk, Einfachheit, Bewegung und die unmittelbare Begegnung mit Menschen.

Die APE ist dabei nicht nur ein Fahrzeug, sondern mein mobiles Fotostudio. Sie ist zugleich ein Verkaufs- und Marktfahrzeug für meine Frau Susanne und ihre Herzstück-Manufaktur. Aber auch für meine regionalen Scaneinsätze kommt das Fahrzeug zum Einsatz. So gesehen ist die APE eine gelebte analoge Transformation mit vielen Ecken, Kanten und zwei bellissima schönen Augen.

Für den fotografischen Einsatz und meine Seminare zur „Seingrafie“ wird in ihr alles integriert sein, was ich für meine Arbeit vor Ort benötige: Drucker, Laptop, Energiespeicher, kleine Werkzeuge sowie Stühle und ein Tisch für Gespräche und Begegnungen.

Es entsteht eine reduzierte mobile Arbeitswelt, die nicht auf maximale Perfektion oder Hochglanzinszenierung ausgelegt ist, sondern auf unmittelbares Arbeiten, Flexibilität und Präsenz vor Ort.

Während viele über künstliche Intelligenz sprechen, beschäftigt mich eine andere Frage:

Wie viel Freiheit sind wir bereit zu bewahren, wenn wir über die Zukunft nachdenken?

Andere sprechen über die KI.

Ich spreche über die Zukunft.

Hinweis: Dieser Text ist kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Er ist eine Einladung zum Nachdenken – über Technik, Gebäude und Maß.

José Carlos Vicente Plaza
Cavicon GmbH

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Bauen zwischen Mythos, Modell und Wirklichkeit